Alkohol auf Festivals - Ein Kommentar



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01.06.2001, ca. 18:00 Uhr. Ich stehe auf dem Festivalgelände von Rock im Park in Nürnberg und um uns herum Berge von leeren Bierdosen, jede Menge Bierpfützen und lauter grölende, torkelnde Leute.

01.06.2001, ein paar Stunden später. Auf dem Weg zum Auto kommen wir an den Campingplätzen vorbei, auf denen es nicht anders aussieht und riecht - wenn man mal von den übergelaufenen Dixieklos absieht - und wo sicherlich nachts einige durch über ihre Zelte fallende, grölende und ihren Mageninhalt entleerende Betrunkene geweckt werden, wenn sie nicht selber zu der genannten Gruppe gehören.
Und auch in den nächsten beiden Tagen sieht und riecht man sie immer wieder: die Festivalsäufer.

Ein paar Wochen später, 23. und 24.06.2001, Southside Festival auf dem Flugplatz in Neuhausen ob Eck in der Nähe vom Bodensee. Auch hier sieht es nicht anders aus und es verfolgt einen ebenfalls der herbe Geruch des Gerstensaftes.

Wieso ist das so, frage ich mich? Kann man sich heute ohne Alkohol nicht mehr amüsieren? Glauben die Festivalbesucher, das Besäufnis gehört dazu? Wieso habe ich bloß den Eindruck, dass viele gar nicht wegen der Musik, sondern nur wegen des Alkohols kommen?

Siehe auch Rock im Park

Siehe auch Southside Festival
Abgesehen vom unangenehmen Geruch, der überall in der Luft liegt, von den Bierpfützen, in die man nicht treten will, und davon, dass man ständig aufpassen muss, dass einen kein Torkelnder entweder umrennt, mit Bier vollspritzt oder man eine Ladung Magensaft abbekommt, ist außerdem immer noch die Meinung weit verbreitet, dass man ja auch mit ein Paar Dosen Bier im Magen bzw. im Blut noch prima Auto fahren kann, und ich will gar nicht wissen, wie viele Festivalbesucher nur deshalb heil zu Hause ankommen, weil sie einen Schutzengel haben. Leider vergessen, glaube ich, viele, dass sie, wenn sie im betrunkene Zustand fahren, nicht nur sich selbst, sondern auch die anderen Verkehrsteilnehmer gefährden.
Nicht, dass Ihr mich falsch versteht, ich habe nichts gegen Alkohol, ich trinke auch ab und zu mal gerne etwas. Und ich habe auch nichts gegen Leute, die, wenn sie ausgehen, etwas trinken, auch nicht gegen die, die ab und zu mal etwas über den Durst hinaus trinken. Aber das muss ja wohl nicht regelmäßig sein, und wenn man den Alkohol schon braucht, um Spaß zu haben, dann stimmt da etwas nicht. Und genau diesen Eindruck habe ich von den Leuten, die sich auf Musikfestivals die Kante geben. Entweder können sie sich ohne den Alkohol nicht so gut amüsieren, weil sie dann nicht so "locker" sind, oder sie glauben tatsächlich alle, das wäre "cool" und "hip". Wenn man auf ein Festival fährt, tut man dies doch aufgrund der Musik, oder? Sich besaufen kann man doch auch zu Hause, in der Kneipe um die Ecke. Wozu also dafür eine teure Festivalkarte kaufen, eine lange Reise auf sich nehmen und das dort viel teurere Bier kaufen? Das kann man doch zu Hause viel billiger haben.      (chr)